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Essen messen (II): Die Top drei des Tages

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Essen. Bob Dylan gewinnt den Literaturnobelpreis an diesem Tag. Das ist eine große Kunde, die auch noch einmal vor Augen führt, dass dies alles hier nur Geschreibsel sein kann. Zu einem Thema, das Meister Dylan bislang nicht einen einzigen Vers direkt und ohne technische Hilfe nur mit seiner Stimme ins Vinyl geknarzt hat: Gesellschaftsspiele. Kann man also an diesem Tag so tun, als wäre nichts gewesen, und das Internet weiterhin mit Belanglosigkeiten füllen. Kurz überlegt: Ja, geht schon noch.

Der Messe-Donnerstag begann mit einigen Pöppelhelden-Aufregungen. Dass einem Mitglied unseres elitären Ordens beim Einteigen ins Auto einfach die offene Tür fast weggefahren wird, ist ja eher selten. Einziger Trost: Es wurde niemand verletzt. Aber die Tür ist hin, da nützt auch kein Panzerband etwas. Und wenigstens war der Unfallfahrer, der sich erst aus dem Staub gemacht hatte (ohne seinen rechten Außenspiegel allerdings), so einsichtig nach rund 25 Minuten an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Was nicht so hilfreich war: Unfallflucht begann er trotzdem, sein Führerschein wurde sofort beschlagnahmt. (continue reading…)


Essen messen: Die Top Drei des Tages

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Essen. In diesem Jahr muss das Feuilleton leiden. Aber es geht nicht anders. Dieses Mal wird es nicht mehr zu jedem Spiel einen Text geben, die profunde ersteindruckbasierte Kritik fällt weg. Weil es sonst nur so klingt, als würden wir alte Nörgelweiber sein, die ihren kargen Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie auf dem Markt Blumenkohl verkaufen. Wobei die Nörgelei natürlich unserem System geschuldet war. Wer Gourmet ist und sich jeden Tag in eine Blindverkostung stürzt, nun, der spuckt viel aus. Und wenn die Zunge erst mal so einen grünlichen Belag gebildet hat, mundet auch ein Schmankerl vielleicht nicht so gut, wie es sollte. Zugegeben, an der Systematik wurde nichts geändert, aber im Sinne einer gleich geschalteten Presselandschaft wird jetzt nur noch das Positive hervorgehoben. Der Rest findet in Bildern statt. Reicht doch auch. (continue reading…)


Auf einen Caffè corretto mit … Kampf um den Olymp

kudo_coverEs ist: eine Wirtshausrauferei. Es ist ein Song namens Schunder: immer mitten in die Fresse rein. Da eine Pinte voller bierbäuchiger, couperös gezeichneter Mittelgebirgsbewohner nur bedingt marketingtauglich ist, wurde ein spielerherzaffineres Setting gewählt: die Antike. Deswegen Kampf um den Olymp und nicht Kampf um den Absinth.

KudO ist einfach wie eine Rauferei. Beide Spieler ziehen von einem Stapel Helden, Soldaten oder Ausrüstung. Wer dran ist, spielt meist eine Person in den Olymp, nach Delphi oder Troja. Weil Karten auch Währung sind, müssen die beim Auslegen auflaufenden Kosten aus dem eigenen Bestand bezahlt werden. Am Ende greifen alle an und fügen direkten Gegnern Schaden zu. Ist deren Verteidigungswert erreicht, wird ihr Ableben mit einem an ein „puff“ erinnernden Sound-Effect besiegelt. Fehlt ein direkter Gegner, gibt es ein Zuckerli statt Schaden. (continue reading…)


Auf einen Caffè corretto mit … DREIst!

dreist_coverWahrscheinlich dient der Waschbär als Wappentier, weil er als frech, als unverschämt, kurz: als DREIst! gilt. Wobei dieses Spiel gar nicht so frech ist. Obwohl, halt mal, was steht da noch im Duden? „Recht ungeniert und ohne Hemmungen sich etwas herausnehmend.“ Passt doch. Wir wollen Karten herausnehmen. Aus der Auslage.

Gut, ganz eigentlich wollen wir unsere Karten als Erster loswerden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, sind wir auf der Jagd nach Dreiern, Reihen-Dreiern und Spalten-Dreiern. Hihi. Ja, für ein schmales Schmunzeln reicht das. Das Spielmaterial ist beschriftet von 1 bis 8 in vier Farben. Die Zahlen müssen passend in ihre Spalten gelegt werden: Einser zu Einser, Staub zu Staub. Karten müssen sich beim Ausspielen zu ihren Artgenossen gesellen und immer Kontakt zur Basis halten. In einer Reihe müssen die direkten Nachbarn immer die gleiche Farbe zeigen. In Spalten gilt dies nicht. (continue reading…)


Auf einen Caffè corretto mit … Arboretum

arboretum_coverAch, schön ist es. Die Karten fühlen sich an, als wären sie ein Abfallprodukt der Hautpflegeforschung. Sie sehen so hübsch aus, dass man sie rahmen möchte. Doch wie das bei hinreißenden Erscheinungen manches Mal ist, offenbaren sie einen biestigen Charakter. So harmlos es klingt, ein prächtiges Arboretum anzulegen, damit wir zur Wertung unter Bäumen flanieren, so konsequent garstig darf den Gegnern nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gegönnt werden.

Wem die Ästhetik über alles geht, legt einfach die schönsten Gattungen zu einem pittoresken Park aneinander. Im schlechtesten Fall ohne Plan oder statistisch schwer erfassbares Pech. Da jeder zu Beginn seines Zuges neun Karten auf der Hand hält, ist sinnvolle Gartenplanung durchaus möglich. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass am Ende zwei Bäume einer Art durch vertikal und orthogonal miteinander verbundene Bäume jeglicher Couleur erlustwandelt werden können. Das geht aber nur, wenn zwischen Start und Ziel Karten mit aufsteigenden Werten – pro Art von eins bis acht – liegen. (continue reading…)


Der Archipel Gruga. Ein paar Absacker zum Schluss. Tag vier

Vogel?

Vogel?

Essen, im Oktober. Unsere Übersicht zieht sich in die Länge, obwohl wir noch gar nicht recht begonnen haben. Tja, Solschenizyn, alter Knabe, widersprechen mag ich Dir da nicht. Aber was ist die Lösung? Dieses permanente Zuviel, das da Internationale Spieltage heißt, wie soll man dem Herr werden? Außer durch ein ebensolches Zuviel, das in Anbetracht des Ganzen immer nur ein Zuwenig bleiben kann. Nastrowje! (continue reading…)

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Der Archipel Gruga. Ein guter Jahrgang. Tag 3

Pingo Pingo 3

Essen, im Oktober. Wir vergessen alles. Vieles wird, wie jedes Jahr – Resultat des pervertierten Ausstoßes – vergessen werden. Aber am Samstagabend, bei Pizza und Bierchen, lautete unser Resümee schon einmal: Es lief für uns deutlich besser als im Vorjahr, es waren viele schöne und gute – wenn auch nicht uns tirilieren lassende – Spiele dabei. Gefühlt scheint 2015 ein deutlich besserer Jahrgang als 2014 zu werden. Wobei ich ganz persönlich diese Vielspieler-Schönheit, die, die meine Knie zittern und mein Herz rasen lässt, noch nicht gefunden habe. So richtig große Liebe, das hatte ich zuletzt vor zwei Jahren mit Russian Railroads. Aber solche Gefühle sollen im Alter, zumal im fortgeschrittenen Alter, eh abnehmen. Von daher liegt es vielleicht auch einfach nur an mir. Brauche ich ein Spiele-Viagra? (continue reading…)


Der Archipel Gruga. Unterwegs mit dem George Huhni des Journalismus. Tag zwei

Huhni Tasse
Essen, im Oktober. Die anliegende Box des Butyrka-„Bahnhofs“, die berühmte „Filzbox“ (wo die Neuankömmlinge durchsucht wurden und es Platz genug gab, daß fünf, sechs Aufseher in einem Schub bis zu zwanzig Seki bearbeiten konnten), stand an diesem Tage leer, blank die groben Filzertische, nur etwas abseits saß an einem kleinen zufälligen Tischchen, von einer herabhängenden Lampe angeleuchtet, ein adretter schwarzhaariger NKWD-Major. Leer. Allein an einem kargen Metallschreibtisch in der Ecke sitzen. Das würde ich auch gern nach diesem Tag. Ein Tag Huhni mitnehmen, ihm Journalismus erklären, ihm etwas beibringen – mache ich doch gern Udo, habe ich gesagt. Aber widerspricht man seinem Chef bei der „Spiel doch!“? Zumal die vertraglich von Udo festgezurrte Probezeit von sechs Jahren gerade erst begonnen hat. Also habe ich versucht, Huhni Journalismus zu erklären. Ich habe es wirklich versucht. Wo ist der Wodka? Aber lest selbst. (continue reading…)


Der Archipel Gruga. Der Marsch der Messe-Meute. Tag eins

Flickem
Essen, im Oktober. Im Juni 1945 drangen an jedem Morgen und an jedem Abend blecherne Marschtöne an die Fenster des Butyrka-Gefängnisses; sie kamen von irgendwo in der Nähe, von der Lesnaja oder von der Nowoslobodskaja, lauter Märsche, und die Kapelle begann wieder und wieder von vorn damit. Der Marsch als Sinnbild des Messe-Tages. Gar nicht schlecht, Solschenizyn, alter Kupferstecher. Dieses immer wieder Gleiche des Reinstürmens, des Hinstürmens, des Spiele-Schlingens, um möglichst viel zu schaffen. Es ist der Viervierteltakt der Neuheiten-Junkies. Doch wir blieben gelassen. (continue reading…)


Der Archipel Gruga. Die Querflöte des Todes und ein irrer Scholz. Morgen geht es los.

Halle
Essen, im Oktober. Drinnen im Räderwerk des Großen Nächtlichen Etablissements, wenn uns die Seele zermalmt wird, und das Fleisch hängt längst in Fetzen herab, wie von einem Landstreicher die Lumpen – da leiden wir zu sehr, da sind wir zu sehr in unsere Schmerzen verstrickt, als daß uns ein Blick, ein durchleuchtender und prophetischer, für die blassen nächtlichen Häscher bliebe, die uns durch die Marter drehen. Solschenizyn, echt jetzt? Schon wieder so ein Runterzieher, so ein wahres Dokument? Kapier es bitte: Wir spielen, um solchen Tagesschau-Realitäten zu entfliehen. In schöne Welten. In bunte. In unrealistische. In historische und was weiß ich denn für Kulissen. (continue reading…)


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