Messe

Abenteuer Essen. Tag 5 im Gruga-Gulag

SpeedCupEssen, 27. Oktober. Langsam wird es hart. Die Nächte: zu kurz. Die Tage: zu lang. Die Luft: zu dick: Die neuen Spiele: zu viele. Die Expeditionsgruppe stößt an ihre Grenzen. Aber aufgeben gilt nicht, aufgeben ist etwas für Spiegeleier-in-Herzform-Brater. Außerdem gibt es noch so viel zu entdecken, erst 20 Neuheiten an den Messetagen gespielt. Und Knut-Michael Wolf listet auf der Spielbox-Seite 869 auf. Das heißt, wir müssen noch einen Schlag härter ranhauen, spielen bis der Arzt kommt, bis wir vor Erschöpfung am Tisch schlaff wie ein geleerter Milchpulversack in uns zusammensacken. Spielen als Straflager-Aufgabe, gefangen im Archipel Gruga. Aber es ist: unschaffbar. (continue reading…)


Abenteuer Essen. Lernen in der Gruga-Akademie.

Rokoko_MalzEssen, 26. Oktober. „Der Mensch braucht das Spiel als elementare Form der Sinn-Findung.“ Das schreiben Siegbert A. Warwitz und Anita Rudolf in ihrem Aufsatz „Der Mensch braucht das Spielen“. So gesehen ist Essen auch gleichzusetzen mit einer Wallfahrt, einem spirituellen Ausflug in die Innerlichkeit, die gefestigt wird, noch während man am Spielbrett sitzt und überlegt, ob nun den Meister oder den Auszubildenden zu spielen Vorteile verschafft. Warwitz, der vor allem für seine didaktische Neuausrichtung in der Verkehrskasper-Arbeit bekannt wurde, griff dabei den alten Gedanken auf, dass der Mensch vor allem ein spielender Gesell sei. Den Grundstein für die Theorie legte der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga Ende der 1930er-Jahre in seinem Werk „Homo ludens“. Demnach entwickelt der Mensch seine Fähigkeiten eben im Spiel, er wird sich seiner individuellen Eigenschaften bewusst und bildet sozusagen beim Würfeln, Kartenmischen und Auspöppeln seine Persönlichkeit. In der Wikipedia heißt es weiter: „Spielen wird dabei der Handlungsfreiheit gleichgesetzt und setzt eigenes Denken voraus.“ Bei manchem Spielzug, der am Brett beobachtet wurde, mag man an dieser Denkfähigkeit zweifeln, aber im Grunde gilt: Ludo ergo sum. (continue reading…)


Abenteuer Essen. Schwimmen im Gruga-Strom an Tag 3

KarnickelEssen, 25. Oktober. Ein schöner Anblick ist es nicht. Wenn sich morgens gegen kurz vor zehn Uhr die Messehallentore öffnen, wird es meist unappetitlich. Menschen fortgeschrittenen Alters, meist berucksackt und mit großen, robusten Plastiktüten um die Schulter gehängt, stürmen in die Halle, hetzen zu den Ständen, an denen sie unbedingt einen Platz ergattern und die dort feilgebotene Ware im Praxistest inspizieren wollen. Da die meisten von ihnen einem Hobby nachgehen, das zeitintensiv ist und im Sitzen ausgeübt wird, ist ihr körperlicher Zustand meist nicht der, der beim Cooper-Test beste Ergebnisse ermöglicht. Es ist kein ästhetischer Genuss, diesen Menschen zuzusehen, wenn man, noch etwas müde von der Nacht zuvor und weil das erste Koffein des Tages noch nicht komplett über den Blutkreislauf im Körper verteilt wurde, gerade erst den Tag begonnen und Platz genommen hat. Einige dieser Gehetzten, die Angst haben, Lebenswichtiges zu verpassen, haben etwas Entwürdigtes an sich. (continue reading…)


Abenteuer Essen. Tag 2 in der Gruga-Pinte

SchluckaufGamesEssen, 24. Oktober. Im Grunde sind die Messehallen auch nichts anderes als eine einzige große Kneipe. Gut, eine Kneipe, die kurz vor Toresschluss leergesoffen war, was ja wie ein absolut unrealistisches Szenario für den Ruhrpott klingt. Zumindest gab es für die Pöppelhelden beim Dämmerschoppen teilweise nur noch das Alster aus der Getränke-Deko. Aber auch sonst erinnert vieles und fast alles an: eine Kneipe. Es ist laut, viele Menschen riechen eigentümlich, für Getränke zahlt man so absurde Preise, als wäre frisches Einhornblut in die Flaschen gefüllt worden. Und wenn man zu lange in den dunklen Zweckbauten verbracht hat, brummt einem die Rübe. Vor alle, wenn man ständig Apfelkorn in sich hineinschütten muss. (continue reading…)


Abenteuer Essen. Tag 1 im Gruga-Dschungel

LeereHalleEssen, 23. Oktober. Am ersten Tag geht es in Essen ja sowieso vor allem ums: Essen. Morgens die Pressekonferenz mit Schnittchen und Suppe (wobei die Pilzcrème doch ein bisschen der Würze zu viel abbekommen hat), und abends dann das Büfett bei der feierlichen Preisverleihung. Das wiederum war wirklich köstlich, die kleinen Kalbsrouladen, der Vorspeisen-Salat mit Shrimps, die Terrine an Tomatensauce. Ach, so lässt es sich aushalten. Obwohl: Selbst das kalte Stück Pizza nachmittags beim Besuch am Lookout-Stand war nicht verkehrt. Zumindest kam es genau zur rechten Zeit, um einen Hungerast und eine damit unweigerlich verbundene Schlechte-Laune-Attacke zu vermeiden. Dafür: Danke, Yanina. (continue reading…)


Essen Zwanzigzwölf – Zombies und Zahnradkalender

Ein bisschen splattern am Morgen, vertreibt Zombies und Sorgen.

Geschafft. Quasi. Der Sonntag ist ja so etwas wie das Auslaufen nach dem dreitägigen Messesprint, eine Lockerungsübung, um die Waden geschmeidig zu halten. Keinen Neuheiten-Stress mehr machen, gemütlich durch die Hallen ziehen, gucken, wo ein Tisch frei ist und sich einfach dort niederlassen. Egal, was drauf ist. So ist er, der Messesonntag. Und weil Tzolkin schon wieder besetzt, Noblemen ebenfalls belegt und Seasons im Prä-Messe-Test bei André bereits durchgefallen ist, wird es eben City of Horror. Außerdem: Ein guter Sonntag sollte stets mit Splatter anfangen – und (zumindest in der Erzählstruktur) alphabetisch geordnet sein. (continue reading…)


Essen Zwanzigzwölf – Yedo, Huhni und ein alter Punkrocker

Löst wahrscheinlich Kinesophobie aus: Tzolkin. Also Vorsicht, am besten am Sonntag die Tzolkin-Tische meiden.

An dieser Stelle müssen wir dringend eine Warnung aussprechen, und zwar vor Tzolkin. Wir müssen allen, die dies noch vor dem Messesonntag lesen, um Vorsicht bitten. Diese Neuheit scheint zu Kinesophobie zu führen. Mediziner verstehen darunter die Angst vor Bewegung. Durch intensives Beobachten ist uns aufgefallen, dass Tzolkin-Spieler kaum dazu zu bewegen sind, den Tisch zu verlassen, wenn man selber einen Platz möchte. Vielleicht müssen wir aus Therapiegründen am Sonntag zum letzten Mittel greifen. Vielleicht müssen wir einfach mal das obere Drittel des Presseausweises aus der Brusttasche lugen lassen und auf die Heilkräfte eines kräftigen Räusperns vertrauen, wenn wir am Tisch stehen und die Angstpatienten betrachten. Trotzdem: Falls Sie dies noch rechtzeitig lesen, lassen Sie die Finger von diesem Spiel. In Ihrem eigenen Interesse. (continue reading…)


Essen Zwanzigzwölf – Ginkgopolis, Saint Malo, Il Vecchio, Maura

Essen ist ja das zentrale Thema dieser Tage auf unserer Seite. Allerdings lohnt sich unter diesem Gesichtspunkt der Besuch der Messehalle nicht. Aber man kommt nicht daran vorbei, Spiele hin, Spieler her, Neuheitenfieber und Goodie-Wahnsinn mögen noch so wichtig scheinen, Essen muss sein. Und trinken natürlich auch. Da selbst die Pöppelhelden unmöglich alle Leckereien aus dem kulinarischen Messe-Angebot testen können, müssen wir uns auf einige wenige Produktgruppen beschränken. Da ist zum Beispiel die allabendliche Pils-Degustation am Snack-Point. Nach dem Treffen um 17.30 Uhr am Fairplay-Stand pilgert die Gemeinde zum idyllisch gelegenen Bistro beim Boardgamegeek, um sich an einer Flasche Stauder gütlich zu tun. Und da kein Mensch nach einer Flasche sagen kann, woran er ist, wird intensiv weiter getestet. Auch von prominenten Gastfeinschmeckern.

Pöppelhelden-Maler und Bier-Gourmet Maura Kalusky hat eine klare Meinung zu Stauderpils: im Abgang eher plörrig.

Gestern durften wir Maura Kalusky begrüßen, der ja nicht nur ein großartiger Grafiker (siehe unser Logo), sondern auch bekennender Bier-Gourmet ist. Dabei könnte es im Plausch mit dem Bremer glatt in Vergessenheit geraten, dass die Essener Plörre wirklich laff ist. „Es gibt nicht viele Biere, die schlechter schmecken“, urteilte denn auch Maura, in der Bierbox hätte es da nur zu einer Durchschnittsnote von 5,67 gereicht. Zu wenig – aber vielleicht haben wir auch nur noch nicht alle Finessen des güldenen Saftes entdeckt. Der Test geht weiter. (continue reading…)

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Essen Zwanzigzwölf – Powershopping und Sichtschutzbunker

Vor einem Jahr schon von Pöppelhelden getestet und für exzellent befunden: die große Lancaster-Erweiterung Heinrich V.

Donnerstag ist Goodie-Tag, Bummeltag, Rumguck- und Treiben-lassen-Tag. Erstmal akklimatisieren in den Messehallen, blicken, was an den einzelnen Ständen so geboten wird, sich bloß keinen Stress damit machen, unbedingt ganz viel spielen zu müssen. Also: Erstmal ein bisschen Einkaufen. Zum Beispiel die Lancaster-Erweiterung Heinrich V. Am Mittwoch hatte Lancaster-Erfinder Matthias Cramer noch bei den Geeks geschrieben, dass sie erhältlich sein wird. Endlich. Schon im Vorjahr hatten André, Maren, Simone und Andreas die neuen Elemente probegespielt, mit Mathias und Queen-Games-Redakteur Wolfgang Panning – es war schlicht und einfach großartig. Nicht nur, weil es lustig und lässig war, mit den beiden zu spielen und zu plaudern. Auch spielerisch kann diese Erweiterung überzeugen, sie hebt das ohnehin grandiose Lancaster tatsächlich auf eine neue Stufe. (continue reading…)

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Essen Zwanzigzwölf – die Neuheitenschau

Mitten im Satz brach Dominique Metzler einfach ab und verließ die Bühne. So etwas kennt man sonst nur von Fußballtrainern, denen kritische Fragen gestellt werden. Aber die Chefin der Internationalen Spieltage hatte bei der Pressekonferenz mit höherer Gewalt zu kämpfen. Eine Erkältung. So, wie es sich anhörte, war es sogar eine ziemlich fiese Erkältung, die Stimme der Messefrau klang nach mindestens 80 Roth-Händle am Tag und allmorgendlicher Stimmbandspülungen mit Johnny Walker. Sie verschwand hinter dem Vorhang, um mal ordentlich abzuhusten. Ihre Kollegin übernahm – und die Stimmung im Saal war so ganz anders als der Husten: nämlich locker und gelöst. (continue reading…)


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